• Susanne Schicho

In einer Welt voller Erwartungen

Wir Menschen sind tagtäglich mit vielen verschiedenen Erwartungshaltungen konfrontiert. Wir hegen bezüglich uns selbst Erwartungen, sind es oft gewohnt, dass unsere Vorgesetzten, Freund_innen, Eltern und Verwandte Erwartungen an uns richten und schließlich erwarten wir auch so einiges von unseren Partner_innen, Kolleg_innen, Kindern, Bekannten ‒ und auch von unseren Vierbeinern.

Wenn Tiere eng mit uns zusammenleben, werden sie Teil unseres Beziehungssystems, das nun einmal stark von Erwartungshaltungen geprägt ist. Dementsprechend haben wir oftmals hohe (teils viel zu hohe) Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche und Träume, was unsere Hunde und unser Zusammenleben mit ihnen betrifft. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Meine Erwartungen – die ich mittlerweile wohl eher als Wünsche bezeichnen möchte – an meine Hunde:


Ich wünsche mir von meinen Hunden, dass sie entspannt mit meinem Partner, anderen Hunden und mir in unseren vier Wänden leben können, dass sie Freude an gemeinsamen Spaziergängen in ländlicher Umgebung, in der Natur haben und dass sie über eine angemessene Zeit alleine bleiben können. Nun scheint diese Liste an Erwartungen zunächst recht überschaubar und einfach zu sein. Der Schein trügt. Es gibt Hunde, für die selbst meine vermeintlich kleinen Erwartungen zu groß und zu viel und somit wahre Herausforderungen wären. Dies kann beispielsweise bei Vierbeinern der Fall sein, die in völlig anderen Umgebungen aufgewachsen sind oder gelebt haben – beispielsweise im Tierheim oder (teilweise) herumstreunend auf der Straße. Diese Tiere haben meist Schwierigkeiten, sich in unserer Vorstellungswelt des Zusammenlebens einzufinden.

Viele Hundehalter_innen haben allerdings noch weitere Erwartungen an ihre Hunde: Sie möchten

z. B., dass ihr Hund mit allen anderen Artgenossen verträglich ist, dass er sie entspannt ins Büro, ins Lokal oder beim Stadtbummel begleitet, dass er begeistert im Auto mitfährt, offen und freundlich gegenüber fremden Menschen ist und im Idealfall keinerlei jagdliche Ambitionen hat. Für Hunde sind diese Anforderungen zumeist mit Stress und großer Belastung verbunden, umso wichtiger ist es, auch ihre Bedürfnisse und ‚Wohlfühlfaktoren‘ zu berücksichtigen



Wir können letztlich die Erwartungen anderer nicht ändern, aber wir können sehr wohl ändern, wie wir mit diesen umgehen. Und wir sollten unseren Vierbeinen einen sehr großen Gefallen tun und unsere Erwartungen an sie reflektieren. Gründlich und regelmäßig. So wollen wir versuchen, unsere eigene kleine Welt zu schaffen ‒ eine Welt, in der sich nicht nur wir, sondern auch unsere Hunde möglichst frei entfalten dürfen.