• Susanne Schicho

Let the Story begin

Oder: Dann waren´s plötzlich fünf


Ich glaube, alle kennen die Situation: Momente, Themen, Probleme, Menschen, Tiere, die uns besonders nahegehen. Dinge, bei denen es schwerfällt, wegzusehen, sie bei Seite zu schieben. Und bei uns Hundemenschen, gibt es eben auch diese Hunde, gewisse Hundetypen, Rassen, Hunde mit bestimmten Charaktereigenschaften oder vielleicht auch auffälligen Verhaltensweisen, die einem nicht mehr aus dem Sinn gehen. Bei mir sind das Hunde, die im Tierheim leben und mit der Situation, mit dem Stress im Tierheim nicht klarkommen. Diese Hunde lassen mir keine Ruhe. So ist 2019 Rica bei uns eingezogen. Sie hatte im vom Verein Auf ins Leben betreuten Shelter in Serbien, für das ich mitverantwortlich bin, leider schon mit 3-4 Monaten Stereotypien entwickelt, sie kreiselte sich und biss sich dabei teilweise auch in die Rute. Im September dieses Jahres sind wir nach längerer pandemiebedingter Pause wieder in unser Shelter nach Serbien gereist. Und dadurch kam nun alles anders als eigentlich von mir geplant…



Aktuell leben bei meinem Partner und mir unsere drei eigenen Hunde. Richi, unser Dobermann-Methusalem, Meysam unser entzückender Oldie und Rica, der vermutlich bisher anspruchsvollste und sensibelste Hund an meiner Seite. Weitere Hunde aufzunehmen, war vor allem wegen Richi und seinem teilweise doch relativ intensiven Betreuungsaufwand aktuell nicht geplant.


Und doch sind es jetzt ‚plötzlich‘ fünf Vierbeiner, die nun mein Leben prägen: Sparky und Minka, die Geschwister von ‚meiner‘ Rica, zeigten im Shelter nun leider im Zwinger auch Stereotypien. Sie gingen durchgehend im Kreis, auch zu den Ruhezeiten im Tierheim drehten sie die ganze Zeit ihre Runden. Der enorme Stress hatte bereits körperliche Spuren hinterlassen: Trotz großen Appetits verloren sie zusehends an Gewicht und das Fell war matt, struppig und an einigen Stellen kahl. Natürlich wurden die beiden in Serbien medizinisch untersucht, allerdings konnte keine Ursache für deren Symptomatik gefunden werden. Rasch war klar, dass im Tierheim die Stressreduktion nicht in dem Ausmaß möglich ist, wie sie für die beiden Vierbeiner zur Genesung notwendig wäre.

Hilfe muss zeitnah erfolgen. Man darf nicht zu lange überlegen, sonst ist es letztlich zu spät. Bei Sparky und Minka ging es bespielweise darum, dass sich ihre Stereotypien nicht weiter emanzipieren. Denn Stereotypien können sich leider im Laufe der Zeit verselbstständigen. So zeigten die beiden diese Verhaltensweisen ausschließlich im Zwinger, sie hätten sich aber auch auf andere Situationen und andere Örtlichkeiten ausweiten können. Bei einer Emanzipation werden Stereotypien dann auch unter den bestmöglichen Umweltbedingungen ausgeführt und schränken die Vierbeiner in ihrem anderen Verhaltensspektrum entsprechend ein.


Somit habe ich beschlossen, hier rechtzeitig Hilfe zu leisten und bin nun seit einer Woche die Pflegestelle von Sparky & Minka ‒ auch wenn mein Plan eigentlich ein anderer war. Aber wie heißt es so schön: Leben ist das was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. Ich weiß, vieles ist möglich, wenn man es wirklich will. Und ich will ihr Sprungbrett für ein glückliches und entspanntes Leben hier in Österreich sein – völlig egal, wie lange dieses Brett sein muss. In dem Tempo, das sie benötigen, werden sie auf ihr Leben in einem endgültigen Zuhause vorbereitet.


Und nun möchte ich an Euch – und vor allem an meine Hundetrainer-/Verhaltensberater-Kolleg_innen appellieren: Gebt anspruchsvollen Hunden und Notfällen eine Chance, wenn Ihr die Möglichkeiten dazu habt.


Zu Sparky und Minka werden natürlich noch weitere Berichte folgen – dranbleiben lohnt sich!